(English version below)

Dies ist mein Beitrag zu einem Writing Prompt, den @author2go auf Instagram veranstaltet hat. Inspirationsvorlage war das Lied "THE NIGHT WE MET" von Lord Huron, bzw. folgende Textvorlage:

I had all and then most of you

some and now none of you

take me back to the night we met

I don't know what I'm supposed to do

haunted by the ghost of you

oh, take me back to the night we met

Für meine Geschichte habe ich den kompletten Songtext hinzugezogen. Den könnt Ihr hier nachlesen.

Viel Spaß beim Lesen!

TRIGGERWARNUNG: Trauer, Tod

THE NIGHT WE MET

Alles, was passiert ist, passierte, weil ich es verdient habe. Ich verdiene all diesen Schmerz. Es zerreißt mein Innerstes, mein Herz, mein Sein. Ich bin zerbrochen und außer Stande, mich wieder zusammenzusetzen. Dabei hatte es so gut begonnen. Ich wusste nicht einmal, dass du zu meinem Glück gefehlt hattest, als Du mir unverhofft über den Weg liefst. Ich werde diese Nacht nie vergessen: deine Augen, die mich keck aufforderten, dich anzusprechen, dein Lächeln, das mir ein ganzes Leben voller Freude zu versprechen schien, und dein Duft, der mich all meine Sorgen für den Moment vergessen ließ. Sorgen über die verpasste Chance eines zu jungen Vaters, dem das Leben seiner Tochter zu unwichtig erschien, um daran teilzuhaben, bis es zu spät war.

Du erzähltest mir von Deinem Kind, während ich das meine verleugnete. Diese Last liegt schwer auf meinen Schultern, aber deine Zuwendung gab mir Hoffnung. Hoffnung auf eine zweite Chance.

An diesem Abend wusste ich, ich würde dich lieben bis an mein Lebensende. Kein Zweifeln, kein Entkommen. Ich würde für immer dein sein. Wir verließen die Party. Du ludst mich ein, zu dir nach Hause zu fahren, doch ich wollte dich für mich, nur noch ein paar Stunden. Wie konnte ich nur so egoistisch sein? Wieder...

Ich würde alles rückgängig machen, würde die Zeit zurückdrehen, wenn ich dazu imstande wäre. Würde nicht wieder zu dir ins Auto steigen. Dann müsste ich mich nicht an den Schrecken erinnern, der folgte, als wir nach zwei Stunden dann doch noch zu dir fuhren. Ich konnte die Augen nicht von dir lassen, brachte dich zum Lachen, brachte dich dazu, mich anzusehen, und hielt deinen Blick gefangen. Einen Augenblick zu lang. Und das, fünf Meter von deiner Haustür entfernt! Der Streit zwischen deinem Kind und dem Babysitter wäre nicht passiert, wenn du längst zu Hause gewesen wärst. Zu dem Aufprall mit dem wütend aus dem Haus fliehenden Kind wäre es nicht gekommen, wenn deine Aufmerksamkeit ausschließlich der Straße vor dir gegolten hätte. Das blaue Licht in deinen vor Trauer überlaufenden Augen wird mich für immer verfolgen, wie ein Geist.

Ich habe alles verloren. Meine zweite Chance, meine Liebe, meine Hoffnung, meine Selbstachtung. Dabei wollte ich doch nur auf den rechten Weg zurückfinden. Wollte mir selbst wieder in die Augen schauen können. Nun bin ich ganz allein.

Ich zerfließe in Selbstmitleid, ringe um Selbstbeherrschung und höre nicht einmal die sich öffnende Wohnungstür. Auch der zaghafte Schritt in meine Richtung bleibt von mir unbemerkt. Aber dann höre ich etwas. Etwas, das zu tun vermag, wozu ich nicht imstande war. Es zerreißt mich und setzt mich wieder zusammen: „Papa?“

English version:

This is my contribution to a writing prompt that @author2go hosted on Instagram. The inspiration was the song "THE NIGHT WE MET" by Lord Huron, or the following text:

 

I had all and then most of you some and now none of you take me back to the night we met I don't know what I'm supposed to do haunted by the ghost of you oh, take me back to the night we met

 

For my story I used the complete lyrics. 

 

TRIGGER WARNING: sadness, death

THE NIGHT WE MET

Everything that happened, happened because I deserved it. I deserve all of this pain. It tears my insides, my heart, my being. I am broken and unable to put myself back together. It had started so well. I didn't even know that, for my happiness, you had been missing, when I unexpectedly ran into you. I will never forget that night: your eyes, that cheekily invited me to speak to you, your smile that seemed to promise me a whole life full of joy, and your scent that made me forget all my worries for a moment. Worrying about the missed opportunity of a too young father who found his daughter's life too unimportant to partake of until it was too late. You told me about your child while I denied mine. This burden rests heavily on my shoulders, but your care gave me hope. Hope for a second chance. That evening I knew I would love you for the rest of my life. No doub, no escape. I would be yours forever. We left the party. You invited me to go to your house, but I wanted you for myself, just a few more hours. How could I have been so selfish? Again... I would undo everything, turn back time if I could. Wouldn't get into the car with you again. Because then I would mot be forced to remember the horror that followed when we finally drove to you two hours later. I couldn't take my eyes off you, made you laugh, made you look at me, and caught your gaze. A moment too long. And that, five meters away from your front door! The argument between your child and the babysitter would not have happened if you had been home long before. The collision with the angry child fleeing out of the house would not have happened if your attention had been focused exclusively on the street in front of you. The blue light in your sorrowful eyes will haunt me forever like a ghost.

I lost everything. My second chance, my love, my hope, my self-respect. I just wanted to find my way back on the right path. I wanted to be able to look myself in the eye again. Now I am all alone. I dissolve in self-pity, struggle for self-control and don't even hear the apartment door opening. Even the tentative step in my direction goes unnoticed by me. But then I hear something. Something that can do what I haven't been able to. It tears me apart and puts me back together: "Dad?"